Das Neue Ätherversum für Space: 1889 – ein Werkstattbericht

9783958670655Zur Spiel 2016 erscheint ein neuer Hintergrundband für Space: 1889. Zum ersten Mal präsentieren wir euch mit Das Neue Ätherversum ein Quellenbuch aus Ingame-Perspektive, also geschrieben von fiktiven historischen Personen – so wie es 1889 hätte erschienen sein können. Ihr erfahrt, wie sich Darwins Evolutionstheorie auf die Tierwelt des Mars anwenden lässt oder wie Karl Mays Venus-Roman bei der Kritik ankam. Und natürlich dürfen auch stimmungsvolle Werbeanzeigen nicht fehlen! All dies ist als Anregung für mehr Flair im Spiel gedacht, gleichzeitig soll das Buch aber auch eine handfeste Spielhilfe sein. Daher schließt sich an die fiktive Lehrfibel ein Anhang mit Spielleiter-Crunch an. Port Progress, Edisons futuristische Forscherstadt vor den Toren New Yorks, erhält einen detaillierten Stadtplan mit Gebäuden, Personen und Plothooks. Es gibt optionale Regeln, um Analysemaschinen – viktorianische Computer – zu nutzen. Dazu neue Marskreaturen, Artefakte und gleich zwei ausgearbeitete Forschungsstationen: eine am Südpol, die andere auf der Venus.

Ein erstes Konzept hatten Stefan Küppers und Franz Janson schon 2013 auf der Dreieich-Con vorgestellt. So ist 1880 in der realen Historie tatsächlich ein erster Band „Das Neue Universum, die interessantesten Erfindungen und Entdeckungen auf allen Gebieten, ein Jahrbuch für Haus und Familie, besonders für die reifere Jugend“ erschienen. Auch die folgenden Jahrbücher findet man noch antiquarisch oder als Nachdruck. Mit Beiträgen wie „Mouchot’s Sonnenmaschine“, „Arbeiten am Meeresgrunde“ oder „Das Pfeilgift“ lässt sich diese Handbuchreihe sogar selbst direkt im Spiel verwenden – nur sind Themen wie Weltraumforschung und außerirdische Kolonien dummerweise ausgespart. 😉 Das wollten wir „korrigieren“ und einen eigenen, vom Geist des Neuen Universums inspirierten Band aus Space-Perspektive schreiben.

Nicole Heinrichs und Dennis Maciuszek übernahmen die Bandredaktion. Autoren wurden ausgewählt und angeschrieben – Veteranen, aber auch Neulinge, die sich durch Arbeiten für andere Rollenspiele oder das Uhrwerk-Magazin empfohlen hatten. Im Redaktions-Wiki häuften sich die Ideen, und irgendwann saßen wir beide vor unseren PCs, in einer Hand den Telefonhörer, in der anderen einen riesigen zusammengeklebten Excel-Ausdruck mit den Vorschlägen der 17 Autoren. Schließlich wählten wir 30 Beiträge in sieben Kategorien – einer bis drei pro Person – aus. Die Schreibarbeit begann, während der wir Entwürfe im Autorenkreis diskutierten. Recherche ist ein wichtiger Teil solcher Arbeit, besonders bei einem historischen Rollenspiel. Während eine Autorin im Museum Schätze der Troja-Ausgrabungen begutachtete, nutzte ein anderer einen Aufenthalt in Hong Kong, um Infos über die Geschichte der Metropole zu sammeln. Ich selbst erinnere mich an wehmütige Zugfahrten mit Nellie Blys Bericht ihrer 72-tägigen Weltumrundung. Nach allen Überarbeitungen stellten wir noch die Illustrationen als einen Mix aus gemeinfreiem, historischem Material und Neuanfertigungen zusammen. Nun ist das Buch fast schon aus der Druckerei entlassen, und am Uhrwerk-Stand in Essen könnt ihr euch – klopft auf Flugholz – selbst ein Bild von dem 80-seitigen Büchlein machen.

Wie lässt sich dieses praktisch im Spiel verwenden? Einige Texte, z. B. der Leitfaden „Wie wandere ich auf die Venus aus?“, kann der SL direkt als Handout für einen Abenteuerauftakt kopieren – oder ein Spieler, der das Buch besitzt, als Inspiration für einen Siedler-Charakter nutzen. Denn der Ingame-Teil ist spoilerfrei (und legt mitunter auch falsche Fährten aus). Andere Artikel, wie die Zeitungsreportage über die neuen Venus-Saurier bei Hagenbeck, enthalten direkt Abenteuervorschläge im Spielleiter-Teil. Man kann aber auch zwei bis drei Artikel in die Hand nehmen und sich Verknüpfungen überlegen (oder im Buch versteckte finden). Auf der letzten HeinzCon haben wir „Vernes Hypothese“ (Abenteuervorschlag zu Nellie Bly) gespielt, nach welcher der Schriftsteller die Charaktere zur neu eröffneten Mars-Ausstellung in der Eremitage von St. Petersburg schickte. Folgend auf das dortige Szenario „Einbruch ins Museum“ führten Spuren hinter einem Zepter und einem Kristall zu Mysterien aus dem Band „Der Mars“. Wer für solch eine Reise noch ein Ätherschiff benötigt, aber „Das Erbe der Kanalwächter“ nicht hat, findet im Neuen Ätherversum noch einmal den Deckplan der Princess Alexandra, nebst neuem Inserat der Äther-Reederei. Anregungen für Spiel und Sport in Schwerelosigkeit gibt’s obendrauf.

Wir wünschen viel Spaß mit dem Neuen Ätherversum und freuen uns über Rückmeldungen im Uhrwerk-Forum!


Das Neue Ätherversum kann hier im Uhrwerk Online-Shop für 14,95 € vorbestellt werden.